studienauftrag batzhaus, wila
denkmalpflege
ausschreibung: gemeinde wila, 8492 wila
generalplanung: 4plus architektinnen gmbh
wettbewerb: selektives verfahren, 2. Stufe
kreditrahmen: CHF 2’500'000
Batzhaus - Umnutzung in Bibliothek, Ortsmuseum und Gemeinschaftsraum
"Liebe Kinder kommt! Wir wandern miteinander in ein stilles, grünes Tal hinein, schaut da den dunklen Wald an den Berghängen! Seht ihr die vielen Blumen auf den Wiesen? Atmet die würzige Luft, Kinder, atmet! Gemütlich schlängelt sich die Töss zwischen dem satten Grün dahin. Sie rauscht und plaudert, und mit ihrem Murmeln vermischt sich das Geläute der nahen Kirchenglocken. Ein Dorf!..." So beschreibt Olga Meyer das Dorf Wila im Kinderbuch, "Anneli - Erlebnisse eines kleinen Landmädchens" aus dem Jahre 1919
Das hundertjährige Kinderbuch beschreibt lebhaft das Tösstal mit seiner Topografie, dem Fluss, der Kirche auf dem Hügel und dem Dorf als Zentrum seiner bunten Gemeinschaft, schildert aber auch die Hochwassergefahren der ungebändigten Töss, die gleichzeitig auch die Industrialisierung förderte, die bis heute das Tösstal prägt.
Das Tösstal ist von Graswirtschaft und Obstbau geprägt. Dies führt zum "Einheitshaus"; mit Wohnen, Stall und Tenn unter einem Dach. Das Tenn dient als gedeckter Umschlags- und Arbeitsplatz, mit viel Freiraum hoch und gut durchlüftet damit das Gras oder Erntegut austrocknen kann.
Beim Batzhaus fehlt der Stallteil und das Tenn wurde mit dem Ausbau der Strasse mehrmals eingekürzt. So ergibt sich aus denkmalpflegerischer Sicht für die Fassadengestaltung im Tennbereich ein gewisser Spielraum. Zur Belichtung des Tenns ist daher auf der Giebelseite zur Kirche hin ein hohes Fensterband angedacht, das hinter der Fassadenschalung von aussen nicht in Erscheinung tritt, jedoch den Blick aus dem Tenn auf die Kirche ermöglicht. Bei Veranstaltungen werden die Tenntore weit aufgestellt, so dass Vorbeikommende das offene Auge der aktiven Dorfgemeinschaft wahrnehmen können.
Das Tenn dient sowohl seiner klassischen Funktion als Nahtstelle zwischen Innen und Aussen, wie auch als Arbeits- und Aktionsraum für die dörfliche Gemeinschaft. Im Erdgeschoss wird das Tenn über zwei breite Durchgangsöffnungen mit der zentralen Erschliessungszone verbunden und dient als Ankunftsort mit Foyer und Garderobe mit WC-Anlagen und Lift. Eine Teeküche mit Sitzmöglichkeiten bildet einen Wartebereich und die Möglichkeit für eine Pausenverpflegung. Sämtliche Veranstaltungen profitieren von der Synergie mit dem Aussenraum, dem Dorfplatz und der unmittelbaren Nähe zum Dorfkern
Der helle, luftige Raum im ersten Obergeschoss mit Blick auf die Kirche kann sowohl als Gemeinschaftsraum für Kurse wie Yoga, Mütterberatung, Seniorentagung, Kino und Vorträge genutzt als auch privat vermietet werden.
Ein neu geschaffenes Ensemble mit Dorfladen, Café-Konditorei, Gemeinschaftspraxis und Velohändler bildet den Grundstein eines lebendigen Dorfkerns. Das Batzhaus steht im zentralen Angelpunkt zwischen Verkehrsraum und Begegnungsraum und schirmt den Zentrumsbereich vom Strassenlärm ab. Der Riegelbau wird von allen Seiten wahrgenommen und wird in Zukunft nicht nur für Geschichte, Bücher und Bildung stehen, sondern auch als Symbol für eine aktive Gemeinde.
Grundsätzlich muss der Renovationsbedarf der gesamten Liegenschaft sorgfältig erfasst und die Eingriffstiefe in einer Gesamtbeurteilung abgewogen werden. Mit Rücksicht auf den gegebenen Kostenrahmen wie auch als denkmalpflegerischen Ansatz wollen wir einen minimalen Eingriff definieren, was zum Beispiel bedeutet, den Wärmedämmperimeter auf das Nötigste zu reduzieren und das Haus nicht durchgehend zu beheizen. Der Einbau von neuen WC- und Liftanlagen konzentriert sich auf den Tennteil.
Eine weitere Motivation, den Renovationsperimeter im Batzhaus mit pragmatischen Lösungen so gering wie möglich zu halten, zielt daraufhin, die begrenzten, ökonomischen Mittel für eine Renovation in handwerksmässiger Tradition einzusetzen. Es sollen Räume entstehen, die vielfältig genutzt und umgenutzt werden können. Das Batzhaus soll in seiner Authenzität für die Dorfgemeinschaft erlebbar gemacht und mit Aktivität erfüllt zu einem lebendigen Zeugen der Geschichte werden.
"Nicht die Asche bewahren, sondern das Feuer am Leben erhalten." Zitat Jean Jaurès













